Stimmungsmache: Studie will tendenziöse Berichterstattung über Flüchtlinge entlarvt haben

Quelle: Pixabay. Symbolbild

„ScienceFiles“ lässt kein gutes Haar an „Macromedia“-Studie
Eine neue Studie will eine tendenziöse Berichterstattung über Flüchtlinge entlarvt haben. Sie erweist sich jedoch als reine Stimmungsmache. Sie behauptet, der „gewalttätige Einwanderer“ sei eine „Angstfigur“, die von den Medien gebildet wurde.

Eine neue Studie will eine tendenziöse Berichterstattung über Flüchtlinge entlarvt haben. Sie erweist sich jedoch als reine Stimmungsmache.

Der „gewalttätige Einwanderer“ sei eine „Angstfigur“, die von den Medien gebildet wurde. So sieht es eine neue Studie. Die Mainstream-Medien greifen die gefälligen Behauptungen der Macromedia-Studie kritiklos auf.

„Die deutschen Medien haben den gewalttätigen Einwanderer als Angstfigur neu entdeckt“, zitiert Focus-Online das Ergebnis der Studie. Seit der Silvesternacht 2015 seien „Flüchtlinge als mutmaßliche Gewalttäter in den Fokus der Berichterstattung gerückt – die wachsende Gewalt gegen Flüchtlinge werde dagegen kaum thematisiert“, heißt es bei der Frankfurter Rundschau und sie titelt: „Medien erzeugen verzerrtes Bild von Flüchtlingen“.

In einem Interview mit dem Deutschlandfunk erklärt der Medienwissenschaftler und Journalist Thomas Hestermann, der die Studie verantwortet: „Es gibt viele Geschichten von Ausländern, die Probleme machen – das ist das Medienklischee … Aber unglaublich wenig von Einwanderen (sic!) und Geflüchteten, die Probleme lösen.“

So wurde bei der Macromedia-Studie gearbeitet: In dem Zeitraum von Januar bis April diesen Jahres wurden 283 Artikel in überregionalen Zeitungen sowie 67 TV-Beiträge aus den Hauptnachrichten analysiert. Dabei kam heraus, dass bei der „Bild“ in 64,3 Prozent der untersuchten Artikel Ausländer erwähnt wurden, wenn sie einer Straftat verdächtigt wurden, bei der „Süddeutsche Zeitung“ 39,5 Prozent,  bei der „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ 38,2 Prozent und bei der „taz“ 18,6 Prozent.

Die „taz“ erwähnt also vergleichsweise wenig kriminelle Ausländer, dennoch klagt Thomas Hestermann in dem Deutschlandfunk-Interview, dass die „taz“ „ … über ein Flüchtlingsheim in Bautzen berichtet und dort ausschließlich der Leiter dieser Einrichtung zu Wort kommt, der sich auch etwas beschwert über die angeblich antriebslosen Asylbewerber.“ Flüchtlinge selber kämen dagegen kaum zu Wort, was er mit Sprachbarrieren aber auch mit mangelndem Engagement seitens der Journalisten erklärt.

 Der Blog ScienceFiles/kritische Wissenschaft lässt kein gutes Haar an der Studie: Sie unterliefe, so der Befund, alle wissenschaftlichen Standards und sei dermaßen schlecht, dass man sie kaum noch als „Junk-Science“ (also als Weg-werf-Wissenschaft) bezeichnen könne: Die viel zu geringe Menge der untersuchten Beiträge aus nur vier willkürlich ausgesuchten Zeitungen sei nicht aussagekräftig und es gäbe keine Vergleichsgruppen. Zudem fehle der Abgleich mit der Realität. Schließlich könnte es auch deshalb zunehmend Berichte über kriminelle Flüchtlingen gegeben haben, weil es zunehmend solche Fälle gab.

Dieser Beitrag erschien zuerst auf freiewelt.net

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