Zensur, Überwachung und Manipulation: Regierungen und Konzerne greifen nach der Freiheit der Bürger

Wir sind nur einen Schritt von George Orwells »1984« entfernt
Wenn die Zivilgesellschaft nicht aufpasst, landen wir schneller im allumfassenden Überwachungs-Dystopia, als wir es uns in den kühnsten Träumen vorstellen können. Die Gefahr des Missbrauchs durch Regierungen und Konzerne ist überwältigend.

Alle Regierungen großer Staaten investieren in die digitale Aufrüstung. Einem Krieg werde der Propagandakrieg und der Cyber-Krieg vorausgehen. Dessen ist man sich sicher. Die Zahl der staatlichen Angestellten, die sich ausschließlich mit diesen Fragen beschäftigen, geht in den USA und China in die Zehntausende.

Ebenso rüsten die Technik-Konzerne auf. Es geht um Märkte der Gegenwart und Märkte der Zukunft. Es sind Wirtschaftskriege, die ausgefochten werden – bis hin zur eiskalten Wirtschaftsspionage.

Doch die größte Gefahr besteht nicht darin, dass sich Regierungen und Konzerne gegenseitig digital bekämpfen, sondern dass beide ihre digitalen Waffen gegen den Bürger richten. Das Opfer wird die freie demokratische Zivilgesellschaft sein. Die Zensurwellen, die derzeit durch das Internet rollen, sind nur kleine Vorboten einer dystopischen Zukunft, in der Überwachung und Kontrolle eine dominierende Rollen spielen werden.

Die Digitalisierung nimmt exponentiell zu

Hand aufs Herz: Hätten Sie sich vor zwanzig Jahren vorstellen können, dass die absolute Mehrheit der Bevölkerung abhängig von einem kleinem Ding namens »Smartphone« wird? Ein kleines Gerät, das heute fast jeder bei sich trägt, alle Informationen darauf abspeichert, darüber kommuniziert, recherchiert, Filme und Fotos aufnimmt, diese in Sekundenschnelle weltweit publiziert? Hätten Sie sich vorstellen können, dass die Bevölkerung diese Entwicklung mitmacht, obwohl mittels dieser Technik alles abgehört werden kann, was Sie sagen, alle Ihre Bewegungen via GPS lokalisiert und alle Ihre finanziellen Aktivitäten aufgezeichnet werden können?

In den USA und in China zahlen immer mehr Menschen mit ihrem Smartphone. Wenn diese ein Flugticket, ein Bahnticket, ihren Krankenversicherungsnachweis oder einen sonstigen Nachweis vorzeigen müssen, zeigen sie einfach ihr Smartphone. Alles läuft über das Smartphone. Selbst in Deutschland kann man sich des Eindrucks nicht erwehren, dass vor allem die junge Generation vom Smartphone abhängig geworden ist. Doch Deutschland ist digitales Entwicklungsland. In den USA, Kanada, Schweden, China, Japan, Korea oder Singapur ist man längst weiter.

Der »intelligente« Haushalt: Horrorvision auf dem Weg zur Wirklichkeit

Zu den Smartphones kommen die »smarten« Haushaltsgeräte. Ob an der Heizung, am digitalen Fernseher oder an Küchengeräten, alles wird immer öfter mit Microchips ausgestattet, die mit der Außenwelt in Kontakt stehen. Der Internet-Gigant Amazon will sogar Kameras anbieten, die kontrollieren, wer durch ihre Wohnungstür ein- und ausgeht. Das heißt: Amazon kann dann in ihre Wohnung gucken. Wenn alle Türschlösser digitalisiert und mit einem Code ausgestattet sind, können dann Amazon-Lieferanten in Ihrer Abwesenheit in Ihre Wohnung oder Ihr Haus eintreten, um Pakete abzustellen. Die Amazon-Kamera soll dann sicherstellen, dass der Paket-Lieferant wirklich nur das Paket abstellt und sich dann wieder zurückzieht. Die letzten 20 Jahre haben gezeigt: Wenn Amazon eine Idee oder Vision hat, wird sie meist Realität für Millionen Haushalte.

Die Gefahr des Missbrauchs durch Regierungen und Konzerne wächst

Damit wird klar wie sehr Internet- und Technik-Riesen wie Amazon oder Google die Kommunikation und den Handel von Morgen bestimmen. Doch nicht nur das. Sie bestimmen zunehmend auch unsere Wahrnehmung und unser Denken. Sie zeigen uns bestimmte Informationen, verstecken bewusst andere Informationen. Sie analysieren unsere Suchbegriffe, unsere Kommunikationsverhalten und die Inhalte (wenn auch offiziell zunächst nur auf Meta-Ebene). Sie schauen in unsere Seele und manipulieren uns.

Digitales Geld: Das Ende des Bargeldes rückt immer näher

In Deutschland mag man sich noch wehren. Doch in China und in den USA nimmt die Bezahlung via Smartphone rasant zu. Wenn Sie in Shanghai, Tokio, Seoul, Stockholm, Los Angeles oder San Francisco zahlen, zücken sie entweder eine Kreditkarte (mit Microchip, denn der Magnetstreifen hat ausgedient) oder Smartphone. Das Smartphone löst die vielen Karten ab, genauso, wie die Karten zuvor das Bargeld überflüssig gemacht haben.

Mit welchem Druck diese Entwicklung forciert wird, hat man letztes Jahr in Indien gesehen. Die Tatsache, dass die Regierungen und Konzerne auch nicht davor zurückschrecken, ein Milliardenvolk in der Dritten Welt mit Gesetzesgewalt in die digitale Bezahlwelt drängen, zeigt, mit welcher Kraft wir es zu tun haben.

Immer mehr Menschen werden abhängig von ihren digitalen Begleitern

Es ist zu einem Massenphänomen geworden: Immer mehr Menschen werden von ihrem Gerät abhängig. Sie greifen morgens vor dem Frühstück nach ihrem Smartphone, sehen beim Laufen, beim Essen, in der U-Bahn und sogar in der Gesellschaft potentieller Gesprächspartner permanent auf ihr Smartphone. Die Wahrnehmung wird verengt, die Blickfeld verändert sich, die Fokussierung wird kurzweiliger, die Konzentrationsfähigkeit leidet, das Schlafverhalten ändert sich, das soziale Leben wandelt sich: die Smartphones und Tablets verändern unser Leben komplett.

Immer häufiger kommt es zu Phantom-Empfindungen. Menschen greifen sich an die Hosentasche oder in die Jackentasche, weil sie glauben, ihr Smartphone würde vibrieren. Doch oft ist das gar nicht der Fall. Gab es eine neue Nachricht? Habe ich einen Anruf verpasst? Viele Menschen geben offen zu, unter Entzugserscheinungen zu leiden, wenn sie mehr als einen Tag keinen Internet-Zugang haben oder ihr Smartphone in der Natur keinen Empfang hat.

Diese Abhängigkeit nutzen die Konzerne aus. Kurznachrichtendienste, wie Twitter oder Whatsapp, sind gut für Nachrichtenaktualität und Besprechungen. Doch viele Menschen teilen ihr komplettes Leben mit. Sie fotografieren mit ihrem Smartphone ihr Mittagsessen oder ihren Kuchen, um es dann auf Facebook oder Instagram zu teilen, damit irgendwo am anderen Ende der Welt jemand »lecker« sagt. Mehr als 90 Prozent des Datenverkehrs besteht aus Datenmüll.

Doch die Konzerne und Regierungen können mit diesem Datenmüll viel anfangen. Es ist wie das Fotografieren von Fußabdrücken. Am Ende kann man den Lebensweg von Individuen nachvollziehen – mit allen pikanten Details. Die Bürger müssen sich bewusst werden, welche Waffe sie durch ihr Verhalten in die Hände von Konzernen und Regierungen geben. Hier ist viel Aufklärung von Nöten. Denn die totale Überwachung erstickt die Freiheit, Privatsphäre und am Ende die Demokratie.

Dieser Artikel erschien zuerst auf Freie Welt.

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