OmaGate – Eine siegreiche Schlacht

SaskiaHa [CC BY-SA 4.0], via Wikimedia Commons

Wie der WDR die Kontrolle verlor

In Köln, genauer beim Westdeutschen Rundfunk, ist etwas geschehen, was vor einigen Jahren undenkbar war. Der Sender hat einen – freundlich gesprochen – grenzwertigen Beitrag gebracht und hat danach völlig die Kontrolle verloren. Die Macht der staatlichen Medien hat eine schwere Niederlage erlebt.

Dass das geschah, markiert das Ende einer langen Entwicklung. Denn dass es nicht immer so war, ist den meisten bewusst. Staatsfunk und Presse haben in ihrer Einheit die Medienöffentlichkeit in jeder Hinsicht bestimmt. Sie gaben die Themen, sie bestimmten, wohin es ging, sie riefen Stopp, wenn es ihnen genehm war. An der selbstverschuldeten Flüchtlingskrise lässt sich das zeigen: Die Jubelschreiber kriegten zunächst nicht genug, dann begann es zu knirschen. Doch erst, als einige Mainstreammedien Abstand suchten zur Politik einer Angela Merkel vernahm man leise Kritik.

Im Internet rumorte es da schon eine Weile. Aber das Internet war der dumpfe Untergrund, der sich zwar fand, aber nicht organisierte – noch nicht. Nach den Ereignissen zu Silvester schimmerte eine erste Änderung in den Machtverhältnissen auf. Aber im großen und ganzen blieben die Mainstreammedien Herr des Verfahrens.

Nach vielen Skandalen und den Mordserien durch Migranten verschoben sich die Verhältnisse nach und nach immer mehr. Denn die Möglichkeiten von TV, Radio und Zeitungen, im Internet Terrain zu gewinnen sind äußerst beschränkt. Wer die ARD nicht im Fernsehen schaut, lässt sie auch nicht auf seinen PC; FR und FAZ riechen auch in der Mobilversion noch nach modriger Tinte. Daher der Versuch, dem Netz mit Gesetzen auf die eigene Meinung zu rücken.

Trotzdem erodierte die Front. Denn um eine solche handelt es sich. Das Internet schob sich vor und reduzierte dadurch die Anzahl von Konsumenten der anderen Seite. Der 27.Dezember brachte für den Westdeutschen Rundfunk ein böses Erwachen. Ein weder als Satire markierter noch sonst wie als solche erkennbarer Beitrag wurde bei Twitter unter Feuer genommen und kurze Zeit später auf der Internetseite des Senders gelöscht. Zu spät. Denn anders als die staatlichen Medien, ist das Internet immer präsent – Tag und Nacht und auch an Weihnachten. Die Opposition schläft nicht. Mittlerweile sind es eben genügend Blogs, die Nachrichten weiterverbreiten. Als ein linksradikaler freier Mitarbeiter die Omas der Omas zur Abrundung noch als Nazisau denunziert, ist der Gipfel erreicht. Ihn schützt kein Vorgesetzter und kein fester Vertrag. Er wird wohl demnächst geopfert.

Im Spiegel liest sich die Erfolgsstory der Öffentlichkeit des Internets unter dem Titel »Die Empörungsmaschine läuft heiß« so: »Vom Kinderlied zur Morddrohung: Die Aufregung über das WDR-‚Umweltsau‘-Lied offenbart, wie sich Entrüstung anheizen lässt. Eine Datenauswertung zeigt: Rechte und Rechtsextreme haben schnell und erfolgreich mobilisiert.« Auf die Inhalte des Artikels muss man nichts geben; alle Stilmittel linker Medienmacht sind beieinander: Rechts, Rechtsextreme, Entrüstungsmaschine; es ist die gewohnte Faktencheckrhetorik der Relotiuspresse.

Indes, der Tonfall verrät den geschlagenen Krieger. Der WDR und sein Programmchef stehen da mit heruntergelassenen Hosen. Nicht einmal seine Entschuldigung nutzte ihm viel. Jetzt weiß er zumindest, wie es Alexander Gauland erging, nachdem er seine verbale Entgleisung zurücknahm – die Medien schlugen weiter zu als sei nichts geschehen.

Und doch ist ein relativ neues Mittel dabei: Die Morddrohung gegen die eigenen Leute. Denn man hat gelernt und weiß, was auf dem Spiel steht. Die Ablenkung auf die fiktive Morddrohung ruft einmal mehr den Staat auf den Plan. Aber vor allem zeigt sie einen Ansatz, der sich aufs Internet einstellt. Man muss nur die Menge der Drohungen sehen und gegen wen sie sich richten, um schnell zu erkennen, dass der Großteil nicht von den Kritikern des WDR stammen dürften. Fast ausnahmslos wurden die Morddrohungen durchs Internet an die Bedrohten gesendet – meistens in Form von E-Mails mit einem erfundenen Namen.

Mit anderen Worten: Die Mainstreammedien haben gelernt, das Internet zu benutzen. Sie arbeiten im Schatten einer anonymen Verbreitung. Denn niemand kann den Absender überprüfen. Niemand kann sagen, wer die Mail oder die Nachricht wirklich geschickt hat. Auch das belegt den Erfolg der Öffentlichkeit, die das Internet nutzt. Dessen Methoden sind an der Medienfront immer öfter erfolgreich. Aber es ist auch eine Warnung.

Die Mainstreammedien sind noch längst nicht geschlagen oder gar auf ihre eigentlichen demokratisch und rechtlich legitimen Aufgaben reduziert. Sie nehmen den Kampf im Internet mit den Mitteln des Internets auf. Ausruhen auf einem Erfolg ist keine Option für die Opposition. Aber freuen über den Sieg bei OmaGate darf man sich trotzdem. Schließlich ist ja Silvester.

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