Staatsmedien verlieren durch Lockdown massiv Leser

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Folge der Großen Schließung

Eine Folge des sogenannten Lockdown, der vorübergenden Großen Schließung, sind starke Rückgänge bei den Auflagen der staatlichen Printmedien. Die IVW-Auflagenzahlen des 2. Quartals verzeichnen zum dramatische Einbrüche. Besonders heftig sind Zeitungen und Zeitschriften betroffen, deren Einzelverkäufe über den Bahnhofs- und Flughafenhandel laufen, denn viele Geschäfte dort waren ganz oder zumindest teilweise geschlossen. Titel mit hohen Anteilen bei Bordauflagen und Lesezirkeln erleiden ebenfalls hohe Rückgänge, da Flugzeuge am Boden und Gastronomie, Hotels, Friseure und Arztpraxen geschlossen bleiben. Zudem wurden viele staatliche Presseerzeugnisse aus hygienischen Gründen nicht ausgelegt. Nur Titel mit hohen Digitalaboanteilen blieben halbwegs verschont.

Besonders betroffen war die Bild-Zeitung, deren Auflage um 17,4 Prozent einbrach. Das Handelsblatt verlor 10 Prozent, da die Zahl der Bordexemplare von rund 25.000 Exemplaren auf neun Exemplare fiel. Um 9 Prozent sank die Auflage der Süddeutschen Zeitung – das Blatt setzte seinen Abwärtstrend beschleunigt fort.

Bei den überregionalen Zeitungen erwischte es Die Welt besonders heftig, die 43 Prozent ihrer Auflage einbüßte und jetzt bei 68.098 Exemplaren liegt, was teilweise auf das deutlich geringere Angebot zurückgeführt werden kann.

Bei den Sonntagszeitungen verliert Bild am Sonntag 11 Prozent und die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung sogar 19,4 Prozent seiner Auflage. Hier schlägt der praktisch eingestellte Flugverkehr voll durch. Ebnfalls wegen der Einbrüche bei den Bordexemplaren muss der Spiegel einen Rückgang von 9,3 Prozent hinnehmen. Beim Stern nehmen die Verluste mittlerweile Ausmaße an, die an die Zeit der Hitler-Tagebücher erinnern: 18,6 Prozent weniger als im Vorjahr. Während alle Anbieter mittlerweile versuhen, ihre Verluste über Digital-Abos auszugleichen, hat Focus darauf verzichtet und verzeichnet ein Verkaufsminus von 30,5 Prozent. Kaum besser ergeht es den Illustrierten: Bild der Frau, Die Bunte und Gala verlieren 10,7 Prozent, 20,3 und 10,7 Prozent.

Die einzige gute Nachricht in diesen Zeiten für diese Blätter: Mit der Großen Schließung haben sie eine passende Ausrede gefunden für sinkende Auflagen. Jedenfalls klingt es besser, sagen zu können, der Verkauf wäre nicht möglich gewesen als zuzugestehen, was seit Jahren der Fall ist: Die Leser laufen einfach weg.

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